Hoch auf die Zukunft. Oliver Krebs kam über die Kunst zur Fotografie, das merkt man seinen Motiven an. Obgleich es sich um klassische Street Photography handelt, die vom Zauber ungestellter Momente lebt und – idealerweise – ohne nachträgliche Bearbeitung auskommt, stellt sich bei Krebs nur selten dokumentarische Klarheit ein. Lieber fokussiert er Details, Strukturen oder Spiegelungen, die die konkrete Situation vieldeutig machen. So wie im Fall der Fotografie des Moskauer Fernsehturms, der mit seinen 540 Metern einmal das höchste Bauwerk der Welt war. Wie eine Rakete strebt das kühne Gebäude aus den sechziger Jahren empor, flankiert wird es vom Denkmal für die Eroberer des Weltraums–auch das ein Traum jener technikverliebten Ära, in der die Supermächte um ihre Vorherrschaft im Himmel buhlten. Die Zeit hat an jenen Visionen genagt: Der Fernsehturm hält bloß noch in Europa den Rekord, das sowjetische bemannte Mondprogramm wurde Ende der Sechziger eingestellt. Krebs scheint das Verstaubte jener Ideen wie eine ferne Erinnerung einzufangen.

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