Christiane Meixner | Tagesspiegel | 30.3.2019

Hoch auf die Zukunft. Oliver Krebs kam über die Kunst zur Fotografie, das merkt man seinen Motiven an. Obgleich es sich um klassische Street Photography handelt, die vom Zauber ungestellter Momente lebt und – idealerweise – ohne nachträgliche Bearbeitung auskommt, stellt sich bei Krebs nur selten dokumentarische Klarheit ein. Lieber fokussiert er Details, Strukturen oder Spiegelungen, die die konkrete Situation vieldeutig machen. So wie im Fall der Fotografie des Moskauer Fernsehturms, der mit seinen 540 Metern einmal das höchste Bauwerk der Welt war. Wie eine Rakete strebt das kühne Gebäude aus den sechziger Jahren empor, flankiert wird es vom Denkmal für die Eroberer des Weltraums–auch das ein Traum jener technikverliebten Ära, in der die Supermächte um ihre Vorherrschaft im Himmel buhlten. Die Zeit hat an jenen Visionen genagt: Der Fernsehturm hält bloß noch in Europa den Rekord, das sowjetische bemannte Mondprogramm wurde Ende der Sechziger eingestellt. Krebs scheint das Verstaubte jener Ideen wie eine ferne Erinnerung einzufangen.

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Profifoto | 15.3.2019

Mit seinen vielschichtigen Bildern, die gleichzeitig subjektiv und konzepturell anmuten, erschließt Oliver Krebs neues Terrain in der Street Photography.

Dabei denkt Krebs – von der Malerei her kommend – das Bild als solches neu. Er ringt um fotografische Bilder jenseits des zentrierten Blickes. Wenn das Motiv das „Signal“ ist, dann interessiert den in Berlin lebenden Fotografen das „Rauschen“, das dieses Signal überlagert. Dadurch scheinen sich seine Fotografien immer wieder selbst aufzulösen, Bildebenen werden ineinander verflochten und der Betrachter wird schließlich zu einer neuen Form der Fotografie geführt.
Oliver Krebs versteht sich als Bilderforscher. Und so ist es schlüssig, dass er seinen Fotografien Textfragmente der großen Entdecker des 19. Jahrhunderts zur Seite stellt, die mit diesen in einen fruchtbaren Dialog über das Suchen und das Sehen eintreten.
Oliver Krebs hat an der Städelschule in Frankfurt bei Per Kirkeby Malerei studiert und als Meisterschüler in der Bildhauerklasse von Georg Herold abgeschlossen. In seiner Fotografie geht er der Frage nach, was ein Bild zum Bild macht und welche Rolle die einzelnen Bildelemente dabei spielen.

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